
Trotz Walfangmoratorium - der Walfang geht weiter
Wale werden überall auf der Welt geschützt, aber gleichzeitig auch immer noch gnadenlos bejagt. Zumindest für Großwale besteht seit 1986 ein internationales Walfangverbot. Ein Ende des Walfangs ist dennoch nicht in Sicht. Jedes Jahr werden weltweit Tausende Wale getötet.
Seit fast 20 Jahren besteht es nun, das von der Interna- tionalen Walfangkommision (IWC) beschlossene Wal- fangverbot. Das Fangverbot wurde beschlossen, da die ungebremste Waljagd der letzten Jahrzehnte viele Großwalarten an den Rand der Ausrottung brachte. Die weltweiten Bestände sollten sich wieder erholen, bevor eine Aufnahme des kommerziellen Walfangs durch die IWC wieder erlaubt werden sollte. Doch für die Walfangnationen galten etliche Ausnahmeregelungen um das Verbot des kommerziellen Walfang zu unterlaufen. Japan, die treibende Kraft beim weltweiten Walfang setzte sich schon immer für einen möglichst ungebremsten kommerziellen Walfang ein. Nach der Ausrufung dieses Walfangmoratoriums suchten die großen Walfangnationen nach Möglichkeiten, das Fangverbot zu unterlaufen. Schnell erklärten die Walfangführenden Nationen, sie würden nun von der Ausnahme- regelung der IWC-Statuten Gebrauch machen und zu „wissenschaftlichen Zwecken" Wale zu fangen. Alle internationalen Proteste halfen nichts. Schätzungen zufolge wurden mehr als 25.000 Wale in den darauf folgenden Jahren Wale für die „Wissenschaft" getötet – trotz offiziellem Fangverbot. Dabei konnte jedes Walfangland selbst bestimmen, was es unter wissenschaftlicher Arbeit verstand, um diese Fänge zu rechtfertigen.
Wissenschaftlicher Walfang?
Ursprünglich als Zugeständnis für die Wissenschaft in den Statuten der IWC verankert, wird die Möglichkeit für rein wissenschaftliche Zwecke Wale zu töten, heute zur Farce. Seitdem der Großwalfang offiziell verboten wurde, bedienen sich mehrere Walfangna- tionen dieses Schlupfloches in den Bestimmungen der IWC und machen weiter Jagd auf Großwale. Dabei kann jedes Walfangland selbst bestimmen, was es unter "wissenschaftlicher Arbeit" versteht, wenn es darum geht, seine Walfänge zu rechtfertigen und als wissenschaftliche Fänge zu deklarieren.
Es reicht schon aus die gefangenen Wale zu wiegen und zu vermessen und verschiedene andere Untersuchungen vorzunehmen, um den Fang unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu rechtfertigen. In Wirklichkeit geht es jedoch um die Fortführung des kommerziellen Walfangs unter neuem Namen. Japan macht keinen Hehl daraus, dass der wissenschaftliche Walfang ohnehin nur als Übergangs- lösung dient, bis der kommerzielle Walfang von der IWC wieder zuge- lassen wird und das seit 1986 bestehende Walfangmoratorium fällt. Bisher konnte dies jedoch von den Walfanggegnerländern verhindert werden. Die Verarbeitung und Ver- marktung der gefangenen Wale läuft unter dem Deckmantel der Wissen- schaft ebenso wie früher zu Zeiten des kommerziellen Walfangs. Die Wale werden wie gewohnt verarbeitet und ihre Produkte kommen ohne weitere Einschränkungen in den Handel. In der Praxis änderte sich also wenig. Die blutige Jagd geht also weiter.

Opfer für die "Wissenschaft": Gefangener Pottwal und Zwergwal im Südpazifik
Japan auf Stimmenfang
Der Druck auf die Walfangnationen ist nach wie vor groß und nur mit viel Geld und groß angelegter Lobbyarbeit in Sachen Pro-Walfang gelang es Japan, seine Interessen auf den alljährlich stattfindenden Treffen der IWC zu vertreten. Von Anfang an versuchten die Walfangnationen unter der Führung von Japan, das Verbot des kommerziellen Walfangs auf offiziellem Wege möglichst rasch zu beenden. Bekannt ist, dass seit Jahren versucht wird, kleine stimmberechtigte Mitgliedsländer der Walfangkommission zu beeinflussen, damit diese auf der nächsten Konferenz den Anträgen von Pro-Walfangländern zustimmen.

Im Südpazifik von japanischen Walfängern im Rahmen des "wissenschaftlichen
Walfangs" gefangener Brydewal.Bild rechts: "Wale sind die Kakerlaken der Meere" -
so Masayuki Komatsu, der derzeitige Delegierte Japans bei der Internationalen
Walfang- kommission (IWC).

Kein Schutz für Kleinwale und Delfine
Während die Großwale durch das Walfangmoratorium zumindest zum Teil geschützt werden, sieht es bei den Delfinen und Kleinwalen ganz anders aus. Hier findet keinerlei weltweite Kontrolle und Überwachung der Fänge statt. Traurige Berühmtheit erlangt seit Jahren auch immer wieder die Abschlachtung von Delfinen und Kleinwalen im japanischen Taiji.